7 Tage… Gedanken zur OP…

7 Tage ist es nun her, dass ich mit dem Zug nach Berlin fuhr und gegen Mittag im Klinikum ankam. Jetzt habe ich gerade Zeit, Ruhe und bin mal nicht so Müde, also: Blog auf und schreiben.

Kennt ihr das Gefühl vor einer unumkehrbaren Entscheidung zu stehen und obwohl ihr sicher seid, dasss sie die richtige ist, hinterfragt ihr auf einmal alles und seind unsicher, habt Muffensausen und wollt am liebsten zurück ins Bett und schlafen, bis die Entscheidung sich irgendwie erledigt? Genau so ging es mir vor einer Woche.

Dann kam ich im Vivantes Klinikum am Urban an. Aufgrund einer falschen Auskunft hatte ich ein Papier nicht mit, aber das ließ sich recht schnell klären. Herr S. an der Aufnahme war entzückend. Er erklärte mir mit ruhiger Stimme, dasss alles kein Problem wäre und beruhigte mich tatsächlich sehr. Herr S. ist Mitte 20, hat leuchtende Augen und hat herrliche Tätowierungen. Wir sprachen, zwischen den verwaltungstechnischen Fragen über dies und das, auch über die OP… Er brachte mich zum schmunzeln und ich entspannte mich.

Danach erfolgten Blutabnahme, dieser Test, da ein Fragebogen, dort ein Gespräch, hier geht’s zus Station 42, da vorne ist ihr Zimmer. Alle Menschen, die mir begegnet waren, reagierten offen auf meine Fragen und gingen auf meine Bedenken ein. Nichts wurde abgewunken. Meine Entscheidung fiel im Endeffekt, als ich erkannte, dass die Menschen, die in den nächsten Wochen um mich sein würden, mir gut taten – und das nicht nur professionell.

Etwas später kam Dr. Pottek zu mir, um über die anstehende OP zu sprechen. Wir sprachen ruhig und vor allem über die Risiken, die möglichen Komplikationen und ja, ich sprach auch an, dass mich viele Menschen in trans Gruppen angesprochen hatten – nicht gerade positiv. Er blieb sachlich, ruhig und – wie ich ja schon oft versucht hatte, zu erklären – wies darauf hin, dass der schwerste und risikoreichste Teil der GaOP die Neovagina sei. Naja, ihr wisst ja, die alte Frau Papa kocht da ihr eigenes Süppchen und wollte generell nie diese künstliche Körperöffnung.

Jedenfalls… Montag Abend: Abführmittel statt Abendbrot, WC statt Schlaf,… Dienstag Morgens erfuhr ich die genauerer OP Zeit. Um 10:30 sollte es los gehen, kurz nach elf war ich tatsächlich im OP und einige Stunden später wachte ich auf. Ich hörte Geräusche, jemand fragte mich etwas, jemand mit einem gelben Shirt schob mein Bett durch die Gänge (gefühlt die geilste Achterbahn ever!) und ich war im Zimmer.

Neben mit stellte man Abendessen und nach leichten Startschwierigkeiten durch den Rest der Narkose, habe ich endlich was gegessen. Und dann die Erkenntnis:ich habe keine Schmerzen, mein Hunger war das einzige gewesen, worüber ich mir gedanken gemacht hatte. Ich griff zwischen die Beine: ein Verband… Ich hatte keine Schmerzen.

Was ich spürte, war der Katheter in der Harnröhre (Ich hasse dieses verdammte Teil ein wenig), aber keine Schmerzen. In der Zwischenzeit hatte meine gerade neue Mumu schon einen eigenen Hashtag (Danke, Meg <3) und ich wurde oft gefragt, wie sich „das anfühlt“. Ich versuchte zu erklären, wie es ist, wenn Nerven nicht mehr dort sind, wo sie vor kurzem waren und twitterte ein Video. Ohne Makeup, aus dem Bett…

https://twitter.com/Ninchen_ohne_Ka/status/913358551309066241

Tja und dann ging es los… die gekreuzten Finger an der Nase und der Hashtag #mumu4nina nahmen Fahrt auf. Inzwischen habe ich über 150 Fotos von Freunden und Fremden, die mir auf diese Art und Weise alles Gute wünschten und wahrscheinlich werde ich den mumu-gruß niemals wieder los. 😀 gut so. Die Bilder werde ich auf jeden Fall in irgendeiner Form rahmen oder an eine Leinwand pinnen…. und sichtbar zuhause aufhängen. So viel Zuspruch hätte ich niemals, wirklich niemals erwartet.

Tja, nun, eine Woche nachdem ich in die Klink kam, sitze ich in meinem Zimmer. Ich sitze auf einem Schwimmreifen auf dem Stuhl, nicht im Bett und blogge… Ich in der ganzen Woche kaum Schmerzmittel bekomme und gebraucht. Gestern beim Verbandswechsel konnte ich mit einem Spiegel erstmals das Ergebnis sehen (und die Berührungen daran spüren) und ich bin überglücklich damit.

Ach ja… nein, ich werde keine Fotos öffentlich teilen 😀 ich bin ganz brav

20 Kommentare


  1. ·

    Herrlich, ich freu mich so für dich.

  2. kl4kk1
    ·

    Klasse 🙂 Das freut mich für dich.
    Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung.


  3. ·

    Auch von mir weiterhin das Beste 🙂
    Ich freue mich mit dir, dass Du dich so gut fühlst und die Menschen um dich so nett sind.
    Schnelle Heilung dir.


  4. ·

    Weißt du, ich habe mich schon gefragt wie es dir geht. – Anscheinend richtig, richtig gut. Das finde ich schön. Genieß die Zeit, lass dich umsorgen und werde ganz heil…


    1. ·

      Mir geht es sehr gut, ich bin aber auch ohne Schmerzen recht müde und so ein längerer Text braucht doch ein wenig Konzentration


  5. ·

    Hallo Nina,
    alles Gute und schnelle Heilung, damit Du bald wieder zu Hause bist. Die Müdigkeit ist doch vollkommen normal, die OP war ja ziemlich heftig. Aber Dein Text zeigt, dass es der Seele richtig gut geht. 🙂


    1. ·

      Guten Morgen, es geht meiner Seele und dem Körper wirklich gut…. Ich bin mehr als zufrieden mit der Entscheidung, die mir phasenweise so schwer fiel.

  6. Antje Louis
    ·

    Hallo Nina,auch ich will dich herzlich grüßen!Das ist eine intensive Zeit! Wünsche dir gute Heilung,Erholung und innere Ruhe.
    Bei uns geht’s langsam in die heiße Phase, versuchen uns vorzubereiten,aber die „Unbekannte“bleibt.Ich freue mich,wenn wir es hinter uns haben.
    Heute geht’s erstmal zum SD.Freue mich,wenn du dich gut betreut fühlst!Aber du bist bestimmt ne Nette;-)!!,das kriegst du zurück!LG Antje


  7. ·

    Danke. Mir war wichtig, meine Hoffnungen und Zweifel gegeneinander abzuwägen. Ich hatte trotzdem niemals mit einem solch positiven Ergebnis gerechnet

  8. Mariella
    ·

    Oh, so schön! Alles Gute für Deinen neuen Lebensabschnitt und schnelle Heilung.


  9. ·

    Du bist von Twitter verschwunden – das macht mir Sorge. Geht es dir gut?


    1. ·

      Alles gut, ich habe den Account aus einem speziellen Grund deaktiviert. Komme aber zurück. Suche noch eine Lösung für das Problem, werde also voraussichtlich dann eine Weile nur einen Account mit Schloss haben.

      Ganz liebe Grüße und ich komme zurück!


      1. ·

        Wie schön! Ich freue mich drauf! Bis dahin alles Gute für dich!


        1. ·

          Danke, euch auch!
          Ich denke, dass ich morgen mal wieder den Account aktivieren werde. Spätestens übermorgen

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.