Man muss ja nicht alles tolerieren…

„Man muss ja nicht alles tolerieren“, sagt die Mutter, die mit mir Schulobst geschnitten hat.

„Ach?“ frage ich „und wo setzt man dann die Grenze?

Ihre Stille und den verdutzten Gesichtsausdruck nehme ich, um einfach mal von einer Freundin aus Salzburg zu erzählen und ihre Einschränkung im Alltag. Ich erzähle darüber, wie es war mit ihr unterwegs zu sein. Erzähle, wie Menschen auf die junge Frau im Rollstuhl reagierten. Und ich erzähle vom anderen Menschen, die im Alltag gegen Einschränkungen, Diskriminierung, Intoleranz kämpfen müssen, weil sie anders sind…. Weil das Leben ihnen Karten zuspielte, die sie sich nicht aussuchen konnten.

Und dann frage ich diese Mutter: „Wo ziehst du denn die Grenze für ‚was toleriert werden muss‘ für deine Kinder?“

Ja, was müssen wir denn in der Gesellschaft wirklich verändern? Damit unsere Kinder ihren Lebensweg gehen können, ohne unzumutbare Hürden? Wo stellen Geschlecht, Herkunft (auch das soziale Umfeld), die sexuelle Orientierung, usw. Noch ein Hindernis dar?

Ich höre schon, wie ich als linksgrünversiffte Gutmenschentranse betrachtet werde… Aber jede Ausgrenzung, die wir schaffen, kann Menschen treffen, die wir lieben. Ja, auch die zwischen trans und nicht trans… Sorry, ich kann Menschen nicht verachten, nur weil sie nicht trans sind und die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen.

6 Kommentare

  1. Mariella Gehann
    ·

    „Jede Ausgrenzung die wir schaffen kann Menschen treffen die wir lieben“ wow, ein wirklich starker Satz!
    Den Blickwinkel von Nicht Trans Menschen tolerieren … ja, das ist auch wichtig. Aber nur dann möglich und sinnvoll, wenn nicht unbelehrbare Ignoranz dahinter steht.

    Antworten

    1. ·

      Wenn zwei Gruppen eine Mauer zwischen einander hoch ziehen, dann erfordert es auch Veränderungen auf beiden Seiten, damit diese Grenze fällt… Meistens gibt eine Seite den Anstoß zum umdenken. Und Veränderung dauert länger

      Antworten
  2. ClaudiaBerlin (@HumanVoice)
    ·

    Nicht tolerieren sollten wir Menschen, die – obwohl es ihnen blendend geht – aus bloßer Gier nach MEHR für Andere unzumutbare Bedingungen schaffen, sich auf dem Rücken der Schwächeren und Ärmeren bereichern und ganz nebenbei die Umwelt für mehr Profit weiter kaputt machen.

    ***
    Fehlermeldung: obwohl unter dem Kommentarfeld dazu eingeladen wird, auch per Twitter zu kommentieren, kommt wenn man das tun will, eine Verweigerung und die Aufforderung, man solle die Felder für E-Mail etc. ausfüllen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere