Wach auf, mein Kind. – Einmal Krankenhaus und zurück

Am Dienstag, dem 13. Februar hatte mein jüngster Sohn eine Operation. Eigentlich nichts dramatisches, denn eine Phimose ist heutzutage medizinisch betrachtet kein großes Problem.

Als im Herbst klar wurde, dass er eine OP braucht und wir mit ihm zur Voruntersuchungen fuhren, war er ziemlich nervös. OP bedeutete für ihm das, was er von uns kannte: Janes Blinddarm und meine OP in Berlin. Und ihn hat meine OP sehr beschäftigt. Spätestens als er im Krankenhaus die Schläuche sah, fühlte er sich deutlich unwohl. Und in seiner Vorstellung stand ihm das gleiche bevor. Also verbrachten wir viel Zeit damit, ihn aufzuklären und zu beruhigen.

Dann kam der Tag der OP. Die Aufregung begann, als der App2Drive – Carsharing Wagen wieder mal nicht aufging (wir hatten ja schon im November so unsere Erlebnisse damit). Eigentlich wollten wir nen Car Sharing Wagen, weil wir so in Ruhe und Bequem zum Krankenhaus (und später auch zurück) fahren könnten. Tja… Der Bus fuhr uns vor der Nase davon, also nahmen wir ein Taxi.

Abgehetzt aber pünktlich kamen wir an. Nicht nur das Kind hatte kein Frühstück, auch mein Magen war leer. Dann begann das Warten. Das Warten. Das unglaublich lange Warten. Nein, ich trank keinen Kaffee, denn mein Kind durfte ja nichtmal mehr Wasser trinken. Also warteten wir. Er kuschelte, wir spielten, sangen, warteten. Er wurde ungeduldig.

Dann endlich der Einlass in die Betäubungszone. Seine Klamotten ablegen und OP Klamotten anlegen. Er trank den Faultiersaft (den Namen gaben wir dem Drink, als er Wirkung zeigte) und nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit war er im OP. Endlich Kaffee. Und wieder Warten.

Dann der Aufruf, dass wir ins Aufwachzimmer durften. Da lag er dann. Und dieses Gefühl, dass er mein kleines Baby ist, war wieder da. Nach einer weile machte er die Augen auf. Er war sehr blass um die Nase und auch als er sich setzen konnte, wachte er nur sehr langsam auf. Er trank ein wenig, aß ein kleines Eis, dass ihm die Schwester reichte und später gab ich ihm etwas zu essen. Er klagte über Bauchschmerzen und schwupp, kotzte er dem gerade vor ihm sitzenden Anästhesisten auf die Füße.

Meine Frau und ich schauten den armen Kerl an, Kind3 hatte bald Schulschluss und da wir ja damit gerechnet hatten dass mal alles glatt läuft…. oder zumindest nicht grob schief… naja, Jane fuhr nach Hause, damit Kind3 nicht allein zuhause ist.

Ich blieb am Bett. Er war wieder eingeschlafen und ich hielt seine kleine Hand. Die Schwestern schauten immer wieder zu uns und er übergab sich immer wieder… Irgendwann sagte mir die Schwester, dass sie einen Arzt rufen würde, der dann entscheiden wird, ob mein Kind nach hause darf oder nicht. Ich hatte von dem rund um mich wenig mitbekommen.

„…. wer hat heute Dienst? …. Ah, kann die kurz runter kommen?…. Wir haben da einen Jungen, der sich nach der Narkose mehrfach übergeben hat…. Ja, die Mutter ist da… Die ist sehr ruhig und weiß auch, dass ihr Sohn eventuell stationär… ja…“, sie legte auf. „In einer Viertelstunde kommt eine Ärztin“, sagte sie zu mir.

Mutter. Dieses Wort. Auch, wenn ich in der Familie nicht Mutter genannt werde, es berührt mich, wenn Menschen mich als Mutter wahrnehmen. Vor ein paar Jahren war mein Passing noch anders, mein ganzes Auftreten, oder… egal, was es war, das sich verändert hat: ich werde ganz selbstverständlich als das wahrgenommen, was ich bin: eine Frau.

Der kleine Patient wurde für eine Nacht aufgenommen. Meine Frau kam mit Kind3 vorbei und wir wechselten uns ab. Schon ein paar Stunden später hatte er etwas gegessen und konnte am nächsten Tag nach Hause.

Meine Frau hat ihre Gedanken zur OP unseres Kindes auf ihrem Blog festgehalten.

1 Kommentar

  1. Innilisi
    ·

    Ach Nina, da kommt in so einer Scheiß -Situation ganz unerwartet ein Moment der einen so tief berührt und es wird so warm im Herz… Das Leben ist schon etwas wunderbares. Liebe Grüße,Elisabeth

    Antworten

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