Über Freundlichkeit

Mein Kind (Kind3) ist Klassensprecher und damit auch im Schülerparlament. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst und erzählt mir immer sehr stolz, was im Schülerparlament Thema war. Aktuell haben sie das Thema Ausländerfreundlichkeit. Ich fragte: „Was?“ – „Ausländerfreundlichkeit“. Und da begann mein Kopf zu rattern.

Was wäre, wenn wir mal unsere Sprache überdenken? Wenn wir über die Ausländerfreundlichkeit nachdenken, statt über die ausländerfeindlichen, lauten Schreihälse. Immerhin hatten die bei der letzten Wahl nur 13%, aber sehr viel mediale Aufmerksamkeit.

Was wäre, wenn wir uns über Transfreundlichkeit unterhielten und über Homofreundlichkeit. Ich empfinde mein Umfeld als durchaus transfreundlich. Ja, die meisten Menschen in meinem Umfeld sind zwar selbst nicht trans, aber mir gegenüber durchaus freundlich. Ich empfinde auch nicht jede Formulierung, die nicht den richtigen Ton trifft, als transfeindlich – eher transunfreundlich. Der Gedanke beschäftigt mich seit einigen Wochen, seitdem er mit dem Thema ankam. Und ehrlich gesagt hilft es mir sehr.

Seit ich das Wort transfreundlich verwende, kann ich viel nuancierter mit den Menschen umgehen, die aus Unwissen oder sprachlicher Ungewandtheit eben nicht gerade freundlich sind. Ich muss nicht jede Meinung, die nicht transfreundlich ist als feindlich betrachten.

Ach, was wäre das für eine schöne Welt, in der die Menschen ihre Freundlichkeit im Auge behalten. Ich habe für mich beschlossen, damit anzufangen und lade Euch ein, mitzumachen.

5 Kommentare

  1. Mariella
    ·

    Wow, super!! Das trifft es auf den Punkt. Und heraus aus der Opferrolle und aktiv mitgestalten. Ich wünsche deinen Zeilen die größtmögliche Verbreitung und werde versuchen dazu beizutragen…

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    1. ·

      Danke vielmals. Es war für mich sehr leicht umzusetzen, dass ich nun sprachlich differenzierter umgehen kann. Es mag nicht perfekt sein, aber ein Weg in eine andere Richtung

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  2. ·

    Liebe Nina,
    Ich kann leider nicht jeden deiner Einträge lesen. Dieser jedoch ist mir in meinem Postfach ins Auge gestochen und ich hatte Gänsehaut, als ich ihn las. Danke für deine Worte, danke für den Impuls.
    Ich finde das gilt in allen Bereichen unseres Lebens. Wir schimpfen und meckern so schnell, aber sagen wir einander oft genug, etwas Nettes? Wann hat dir schon mal jemand im Supermarkt gesagt, dass du tolle Schuhe trägst? Ja oberflächlich und doch macht es das Leben einen Moment schöner.
    Mir hat kürzlich im Supermarkt eine ältere Frau gesagt, dass sie meine Tochter und mich nun eine ganze Weile beobachtet hätte, weil sie es so schön fand, wie wir miteinander umgehen. Das war ein wunderbarer Moment von dem ich den Rest des Tages gezehrt habe.
    Wir sollten unsere Sprache viel öfter überdenken, viel öfter freundlich sein. Transfreundlich, Homofreundlich, Ausländerfreundlich… Menschenfreundlich!

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  3. ·

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