Über Strohhalme…

Hurra, die Politik hat endlich vor, etwas gegegn Müll zu machen. Hurra, sie will das Übel an der Wurzel packen und hurra, sie will es bald machen.

Aber… Dann lese ich was die EU vor hat und erinner mich an eine Zeit in meinem Leben, über die ich wenig spreche. Mei nLeben lief nicht immer geradlinig. Gesundheitlich gab es eine Zeit (und ich will gar nicht so ins Detail gehen), da gehorchte ein Körper meinem Gehirn nicht ganz. Ich hatte besonders über dir rechte Körperhälfte nur wenig Kontrolle. Es fiel den meisten Menschen in meinem Umfeld nicht auf, aber ich hatte eine Behinderung. Spastische Lähmungen. Ich hasse schon das Wort. Und wenn ich keine krampfartigen Zustände hatte, zitterte ich, hatte plötzlich keine Kraft mehr.

Es begann nicht plötzlich und dennoch kann ich mich erinnern, als mir plötzlich eine Einkauftüte aus der Hand fiel und ich hinterher. Einige Zeit später konnte ich nur an guten Tagen ein Glas ruhig halten. Einmal schlug ich mir eine Flasche so fest gegen die Zähne, dass ein stück Glas abbrach und ich mir die Zunge verletzte.

Ein Grund, warum mein Umfeld meine Behinderung nicht bemerkte: ich nahm einfach einen Strohhalm zum Trinken. Und mit kleinen Hilfsmitteln konnte ich meine Einschränkung einfach in den Griff bekommen.

Ich hatte Glück, unbeschreibliches Glück. Durch das Zusammenspiel von Ärzten und meinem Körper habe ich inzwischen keine sichtbaren Einschränkungen mehr, aber seitdem betrachte ich Menschen mit Behinderung ein wenig anders.

Nun sollen Strohhalme verboten werden. Generell ja sinnvoll, es ist Plastik, das einmal benützt wird und dann im Müll landet. Für die meisten Menschen ist ein Strohhalm unnötig und nur Komfort. Anderen Menschen dient ein Strohhalm als Hilfe. Als ich neulich einen Tweet zu dem Thema schrieb, nannten eifrige Menschen gleich Glas und Metall als Alternative… Tja, ich brauchte, wie viele andere Menschen mit körperlicher Einschränkung, einen fexiblen Strohhalm mit Kick, mit dem ich mich nicht verletzen konnte.

Es gibt Alternativen/gibt es Alternativen? Jein.

Glas/Metall sind nicht flexibel und für viele Menschen wahrscheinlich nur verwendbar, wenn jemand anderes das Glas/die Flasch hält. Reinigung: teilweise gut möglich. Verletzungsrisiko groß.

Silikon/Gummi ist flexibel, aber lässt sich meist nicht so reinigen, dass es in der Gastronomie eingesetzt werden kann.

Bio-Kunststoffe… da scheiden sich die Geister, viele sind zwar theoretisch Kompostierbar, aber das kann in er Natur schon mal ein paar Jahrzehnte dauern.

Papier… nur wenige haben bisher knickbare lösungen und die Beschichtungen sind auch alles andere als gut kompostierbar.

Vielleicht sollten wir uns alle mal den Gedanken durch den Kopf gehen lassen, dass Behinderung jede*n jederzeit treffen kann. Ein Unfall, Schlaganfall, eine Infektion, ein Insektenstich… Oder einfach das Alter.

Ein Verbot von Strohhalmen ist nur dann gut, wenn es eine GLEICHWERTIGE Alternative gibt (günstig, flexibel, weich, sauber), die der Umwelt weniger schadet.

7 Kommentare

  1. Firyar
    ·

    Ich habe vor einigen Jahren in England an einem College für behinderte Jugendliche ein FSJ gemacht. Der Strohhalm war ein tägliches Utensil. Viele der Studis hatte Spastiken, keine Kontrolle über bestimmte Körperteile, der Kopf wackelte oft auch. Dank Strohhalm konnten viele trotzden Abends ihren Tee genießen. Tasse hinstellen, Strohhalm rein (mit Milch etwas abgekühlt). Genauso natürlich mit Softdrinks oder Alk. Das war ein wichtiges Stück Lebensqualität für die Jugendlichen, ohne Assistenz mit den Freunden was trinken zu können. Einige haben es hart trainieren müssen, aber da besonders großen Willen gezeigt.
    Und wie du schreibst, Halme ohne Knick sind oft keine Alternative (und hartes Material mitunter gefährlich).

    Dass man bei Softdrinks oder in Cocktails an Strohhalmen spart, richtig. Aber ein generelles Verbot schießt über das Ziel hinaus.

    Antworten

  2. ·

    Ich verstehe deine Gedanken, liebe Nina 🙂
    Aber ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit und daran, dass Strohhalme wohl deshalb so heißen, weil sie früher aus irgendeiner Pflanze kamen.
    Sie zerbrachen leicht und waren faserig. Man konnte sich auch daran schneiden – ich denke an meine Balkonumrandung aus Schilf.

    Sicher – sie haben keinen Knick.
    Vielleicht gäbe es in der Pflanzenwelt dennoch eine gute Alternative zu dem vielen Kunststoffkram?!
    Ich wünsche dir alles Liebe

    Antworten
    1. Nina Jaros
      ·

      Keine Alternative. Genau wegen der genannten Nachteile

      Antworten

  3. ·

    Es kann sein, dass du den Kommentar mehrfach hast, dann Entschuldige. Mein Browser hat sich aufgehängt und es erscheint alles irgendwo zwei-dreimal. Schmeiß es einfach raus. Ich will nicht spammen oder so was.

    _

    Einmal schlug ich mir eine Flasche so fest gegen die Zähne, dass ein stück Glas abbrach und ich mir die Zunge verletzte.

    Genau das ist mir auch mal passiert. VOR der OP wegen der ich fast nur noch püriert und über Strohhalm essen kann. Ich habe für Wasser einen nicht knickbaren aus Hartplastik, den man täglich spülen kann und gut ist. Aber der geht eben nur für Wasser, „essen“ kann ich dadurch nicht, und es kann auch nicht jede/r/s Betroffene mit diesen Halmen oder gleichzeitig das Trinkgefäß so halten und steuern, dass alle Flüssigkeit rauskommt.

    Strohhalme zu verbieten hat für mich daneben, dass ich die Dinger brauche, auch etwas von das Pferd von hinten aufzäumen. Dann gibt es keine Strohhalme mehr, aber der Müll wird immer noch nicht signifikant weniger…

    Es freut mich heute von dir zu lesen, Nina. Ich war gestern so erschrocken als dein Twitter plötzlich weg war. (Ich habe da kein aktives Konto, aber eine Lesezeichenliste mit Accounts.)

    Antworten
  4. Peter
    ·

    Ich bin auch auf Strohalme angewiesen, benutze seit einiger Zeit aber welche von Kleen Kanteen, die sind aus Metall mit einem abnehmbaren Gummi-Teil mit Knick. Die lassen sich eigentlich gut in der Spülmaschine reinigen. Für zuhause ist das eine gute Alternative. Ob für die Gastronomie geeignet weiß ich nicht, aber man kann ja den eigenen mitnehmen. Und ich denke es wird schon jemand eine geeignete Alternative entwickeln, damit kann man schließlich Geld verdienen.

    Antworten

  5. ·

    Auch ich komme nur mit den normalen Strohhalmen mit Knick klar. Durch die verschiedenen Konsistenzen habe ich auch verschiedene Durchmesser hier auf Vorrat. Immer wieder trinke ich auch angedickte Flüssigkeiten durch meine Schluckstörung.
    Durch die mehreren Behinderungen habe ich auch eine erhöhte Infektgefahr. Da ist auch zusätzlich das Problem, dass ich die Mehrweg Strohhalme nicht komplett sauber bekomme. Nicht jeder hat eine Spülmaschine. Selbst da hatte ich Probleme mit der Reinigung von den Mehrweg Strohhalm von einen speziellen Trinkbecher.

    Antworten
    1. Nina Jaros
      ·

      Reinigung hin mehrweg ist wirklich schwer

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere