Die etwas anderen Ferien – oder: Ein besonderes Meeting, die Odyssee und Sternschnuppen

In diesem Jahr hat mein Leben einen ziemlichen Umbruch erlebt: ich habe einen Job. Ehrlich gesagt ist es viel mehr als das – ich habe einen tollen Job.

Am Mittwoch fuhr ich nach Berlin. Nein, das ist nicht ganz richtig: am Mittwoch fuhr ich mit meinen beiden Jungs nach Berlin. Es war meine erste echte Dienstreise. Goth, was war ich aufgeregt. Die Kids kennen Berlin, aber bisher waren wir nur privat dort. Diesmal war mein Zeitplan ziemlich fest vorgegeben. Jetzt könnte man natürlich fragen: Warum nimmst du die die Kinder denn auf so eine Reise mit? Mein Frau hatte Anfang er Ferien ein paar Tage Urlaub und nun hat sie Urlaubssperre. Die mittlere Tochter, die normalerweise für solche Fälle auf ihre Brüder aufpasst, war ferienbedingt verplant. Also war das einfachste, die Kinder mitzunehmen.

Das „Einfachste“?! Mangels Verwandtschaft blieb ja keine andere Option. Obendrein sind die beiden ziemlich reiseerprobt und bewegen sich sicher durch Züge und Bahnhöfe.

Direkt vom Bahnhof zur U-Bahn und ins Büro. Meine zwei Begleiter waren aufgeregt und neugierig. Sie wollten wissen, wo ich arbeite. Im Büro saß mein Chef und hatte bereits Papier, Stifte und reichlich Wasser bereit gestellt. Das Arbeitsgespräch lief ungestört.

Ein paar Minuten durchatmen. Dann zur U-bahn gehen. Schnell im Hotel einchecken. Natürlich hat google Maps bzw. mein Handy uns erstmal in die falsche Richtung geschickt (Notiz: Kompass in die Handtasche packen!). Dann durch die Hitze der Stadt. Zwei mittlerweile ein wenig müde Kinder, ein Rollkoffer, Rucksack und Handtasche über Kopfsteinpflaster in unbekannte Richtung.

Wir erreichten das Hotel. Check-In. Aufzug. Gang. Koffer abstellen. Kurz auf Klo. Und schon geht es wieder los in die Stadt. Nächster Halt: change.org. Kind4 verlor etwa beim Bahnhofs Friedrichstraße einen Großteil seiner Motivation. Aber nach der Ankunft im kühlen Haus der Bundespressekonferenz und dem freundlichen Empfang durch die change.org Mitarbeiter*innen war er aber wieder gänzlich zufrieden.

Bei change.org drehten wir einige Videos für die Petition gegen die Anrechnung von Kindergeld (change.org/kindergeld/).

Das klingt nach einem ziemlichen vollen Tag? Next Stop: Hauptbahnhof, Fast food auf Wunsch der Kinder und (!) danach noch Richtung KaDeWe zum Lego Store Berlin. Die Begeisterung der Kinder, als sie das Lego Logo sahen, lässt sich nicht in Worte fassen. Kurz vor 20 Uhr standen wir an der Bushaltestelle vor dem KaDeWe und fuhren mit dem Doppeldeckerbus (trotz Hitze natürlich oben) zum Hotel.

Nächster Morgen: Verschwitzt aufwachen. Alle Duschen. Wieder packen. Koffer, Taschen, Kinder nehmen und zum Check-Out. Frühstück besorgen. U-Bahn fahren. Pünktlich im Büro ankommen. Die nächsten Stunden waren die Kinder für mich unsichtbar. Sie waren gut aufgehoben und beschäftigt, während ich ein tolles Meeting erleben durfte. Im Konferenzraum bei Wasser, Kaffee und frischem Obst saß mein Chef als einziger Mann am Tisch mit drei Frauen. Einige Stunden geballter Konzentration und fokussierter Arbeit.

Ich war viereinhalb Jahre arbeitslos. In den Jahren habe ich ständig gearbeitet. Zuhause im Haushalt, mit den Kindern, in der Elternvertretung der Schule, im Schulelternrat und sogar als selbständige Kleinunternehmerin. Aber durch die soziale Isolation durch Armut hatte ich … ich habe verlernt mit anderen Menschen in einem Raum gezielt an einer Idee zu arbeiten. Es ist schwer zu beschreiben, aber es fiel mir schwer, meine Gedanken in Worte zu fassen. Meine Sprache wirkte auf mich wortkarg und ich fand es schwer mich einzubringen, neben den anderen drei Personen, die mitten im Berufsleben stehen, fühlte ich mich …. mein Selbstwertgefühl hat in der Erwerbslosigkeit (edit: danke für dieses Wort, Claire) gelitten.

Ich habe durchgehalten. Emotional und kommunikativ war es anstrengend, wie eine mehrtägige Bergtour. Ich war k.o. und glücklich. Das Team ist toll und ich konnte vom Meeting viel mitnehmen. Yeah. Ich werde im Berufsleben wieder Fuß fassen.

Ein gemeinsames Essen (bei dem auch die Kinder willkommen waren) und auf zum Bahnhof. Meine Frau schickte aus NRW Bilder von Wolken, Wind und Regen. Beim Bahnhof zeigte sich, dass das nicht nur die erhoffte Abkühlung bedeutete. Unser Zug fuhr ein, aber im Zug kam die Durchsage vom Ausfall durch Unwetter.

Alleine in einer Stadt festzustecken ist unangenehm. Mit Kindern ist es mehr als das. Gothseidank habe ich sowas wie Familie in Berlin. Meine – wie sagt man da … – Patenfamilie 🙂 Nachdem ich erfolglos versucht hatte ein Hotel oder Hostelzimmer zu bekommen, fragte ich @Zesyra und wir wurden herzlich empfangen.

Die Kinder spielten miteinander. Wir plauderten. Ich konnte mein Patenkind und die Geschwister sehen. Das Baby am Arm und lachende Kinder rundherum – es war ein wunderschöner Abend. Am nächsten Tag kam noch eine Freundin mit ihrem Kind zu Besuch… der Frühstückstisch war voll Leben… Nur meine Frau fehlte dabei…

Gegen drei sollte unser Zug nach Hause fahren. Es wurde halb fünf. Bei Ankunft in Bielefeld hatten wir 150 Minuten Verspätung. Dennoch waren die Kinder gut gelaunt. Im Zug durften sie ein wenig Tablet spielen und ich hatte ein paar Kartenspiele für die Reise eingepackt. Selbst die Dame, die an unserem tisch im ICE saß spielte mit uns mit.

Erst zuhause merkte ich, wie anstrengend die Reise war. Ursprünglich wollten wir am Wochenende nach Oberhausen. Das haben wir verschoben. Stattdessen gab es gestern: viel Couch, viel Ruhe und am Abend einen kleinen Spaziergang durchs Dunkel. Die Blicke nach oben gerichtet und tatsächlich konnten wir ein paar Sternschnuppen sehen.

Jetzt sitze ich da und freue mich auf die neue Woche. Freue mich auf die Arbeit. Freu mich über die tollen, geduldigen Kinder und die wunderschöne Frau, die mir gegenüber im Fernsehsessel sitzt und einen Thriller liest. Ich gieße mir Kaffee ein und schreibe jetzt noch einen Text über die Reise… Schönes Wochenende, ihr Lieben!

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