Kein Platz? Mein Platz!

Twitter war mein Platz, an dem ich offen über Depression, meine Gefühle und alles, was mich beschäftigt, reden konnte. Aktuell stecke ich in einer Depression, aber aus verschiedenen Gründen, kann ich nicht mehr frei darüber reden. Mein safe-space ist kein freier Platz mehr für mich. Ich zensiere mich, verstecke meine Traurigkeit, meinen Schmerz und weiß, dass das alles andere als gesund ist.

Es geht mir nicht gut und ich sage nichts. Weil ich nicht weiß, wer mitliest…

Mein Blog und mein twitter account sind meine Ventile, die ich nutze, um zu überleben. Ja, das ist mein Sprachrohr, gerade, wenn ich akute Depressionen habe. Ich weine seit Wochen jeden Tag – oft stundenlang. Manchmal kann ich nicht schlafen und manchmal werde ich den ganzen Tag kaum wach. Ich funktioniere… meine Arbeit tut mir sogar sehr gut und hilft mir Struktur zu finden. Meine Familie gibt mir halt. Aber die Krankheit ist da. Ich brauche Medikamente, um sie in Griff zu halten und ich brauche meinen Platz, um darüber zu reden.

Ich bin Nina, 46 Jahre alt, zielstrebig, engagiert und depressiv. Und ich spreche über meine Krankheit.

15 Kommentare


  1. ·

    DAS ist so wahnsinnig stark. Jeder Satz. Jedes Gefühl, was ich selbst dazu habe. Du hättest meine Gedanken damit verfassen können. Fühl dich umarmt!

    Ich wünsche dir von Herzen, dass es besser wird.

    Markus

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    1. Nina Jaros
      ·

      Danke. Es ist oft schwer, Worte zu finden. Manchmal kann ich es nur in einen Tweet verpacken, manchmal sagen, manchmal entsTeht ein Text für den Blog. Immer kostet es Kraft und immer wieder gibt jede zustimmende Reaktion ein wenig Kraft und Hoffnung.

      Liebe Grüße, Nina

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  2. ·

    Wie wäre es mit passwortgeschützten Beiträgen nur für Leser, die sich zu erkennen geben? Ich mache das so – es muss nicht Hinz und Kunz wissen, was mir gerade sehr auf der Seele brennt.

    Ich würde gerne weiter lesen …

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    1. Nina Jaros
      ·

      Was ich nicht öffentlich schreiben kann, schreibe ich meist gar nicht.

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  3. ·

    Hey Nina. Berührende Worte. Das erfordert wahrscheinlich wahnsinnig viel Kraft, um mit einer Depression klarzukommen und ich kann nur hoffen, dass du den Kampf gewinnst.
    Aufmunternde Worte sind hier sicher fehl am Platz, dennoch wollte ich einfach ein paar Gedanken dazu hier lassen.
    Du hast soviel geschafft – du und deine liebe Familie – und ich bewundere dich für deinen Mut, öffentlich darüber zu schreiben.
    Fühl dich doll umarmt und lieb gegrüßt.

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  4. ·

    Liebe Nina, ich lese schon seit einer kurzen Weile bei Dir mit.
    Für mich war Schreiben immer mein „Medium“, mein Weg, mit aktuellen Gedanken, Sorgen, Kummer oder „Allgemeinkram“ umzugehen. Weil ich das Gefühl hatte, wenn ich es herauslassen kann, dann fühle ich mich besser. Dann geht es mir besser; nicht selten auch gerade dann, wenn sich Menschen an meinem Geschriebenen wiederum mit ihren Gedanken beteiligten.
    Jedoch habe auch ich erfahren, dass es Dinge gibt, bei denen man überlegen muss, ob und wie man sie hinaus in die Öffentlichkeit schreibt.
    Zwar ist „Helma Ziggenheimer“ nur ein Pseudonym, die Fotos jedoch sind echt, sie sind real – und haben in mindestens 1 Fall einen Rückschluss auf meine wahre Identität zugelassen.
    Seitdem (das ist wenige Jahre her) schreibe ich zwar immer noch Persönliches – aber ich passe genauer auf. Und wiederum das blockierte mich. Der Gedanke, nicht „frei“ sein zu können, nicht „frei“ sprechen zu können.
    Also wählte ich einen Blog auf einer anderen Plattform, ohne jeglichen Bezug zu meinen jetzigen Blogs, ohne Namen, ohne Fotos, ohne irgendwas. Zwar weiß ich nicht, ob Nina Jaros Dein richtiger Name ist (ich gehöre nicht zu denen, die alles googeln und erfahren müssen ;)), aber prinzipiell handhabst Du das ja eigentlich auch so. (Zumindest habe ich, seit ich hier mitlese, nichts anderes gesehen.)
    Insofern wünsche ich Dir wirklich von Herzen, dass Du Deinen Weg finden kannst, über die Dinge frei zu „sprechen“, die Dir auf der Seele lasten, und dass es Dir anschließend zumindest nur ein klein wenig besser geht. Ich wünsche Dir von Herzen, dass es Dir überhaupt besser geht. Zwar bin ich „am eigenen Leib“ nicht von Depression betroffen, aber ich habe sehr schmerzhaft erfahren müssen, was diese bedeuten kann. Umso mehr fühle ich mit Dir mit.

    Antworten
    1. Nina Jaros
      ·

      Danke vielmals. Schreiben ist ein Ventil und ich habe vor Jahren aufgehört, ein Pseudonym zu verwenden 🙂

      Antworten
  5. Martina
    ·

    Liebe Nina,
    Es stimmt mich traurig wenn ich deine Zeilen lese, aber ich kann dich auch ein wenig verstehen. Ich muss ebenfalls Medikamente nehmen um meine Depri im Zaum zu halten.

    Es ist gut wenn man darüber spricht!

    Ist halt nicht einfach jemanden zu finden der dir wirklich zuhört …..

    Ich wünsche dir das deine Familie weiterhin für dich da ist und dir Halt und Hilfe gibt.

    GLG
    Martina

    Antworten
  6. Eva
    ·

    Du bist eine starke Frau, weil du den Mut hast darüber zu schreiben, weil du nicht aufgibst und dagegen ankämpfst. Und ich wünsch Dir von Herzem das du den Kampf gewinnst. Laß dich mal drücken! Vielleicht findest du einen Weg das Internet oder die Plattformen doch noch als Ventil (be)nutzen zu können um frei zu sprechen. Nicht frei darüber sprechen zu können stellt eine immense zusätzliche Belastung dar.

    Und noch was anderes – es ist gut so das Depressionen nicht verschwiegen werden. Es öffnet hoffentlich vielen anderen die Augen aufmerksamer und hellhöriger zu sein. Ich wünschte wir hätten damals unserem Gefühl vertraut das jemand Hilfe braucht (wir wollten uns nicht einmischen) und hätten nicht gewartet bis es fast zu spät war. Viele glückliche Umstände haben das schlimmste verhindert und ich bin dankbar das ein, für uns wichtig gewordener, Mensch nach wie vor unter uns ist und erkannt hat das er nicht alleine ist und er auf uns bauen kann und wir ihm jederzeit helfen wo wir können.

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  7. Alexandra Maier
    ·

    Liebe Nina,
    Ich finde es gut, dass Du schreibst, wie es Dir geht – aber vielleicht wäre es für Dich auch gut, wenn Du Dir einen Therapeuten für die Depression suchst (und zwar nicht nur mit Medikamenten, sondern auch durch andere Formen der Hilfe)…? Es gibt ja von den Krankenkassen anerkannte Therapieverfahren und eine Therapeutensuche. Diese Form der Therapie ist auch anders als die Thera, die man bei TS (leider bisher) braucht(e).
    Ich habe selbst entsprechende positive Erfahrungen bei meiner Depression gemacht.
    LG
    Alexandra

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    1. Nina Jaros
      ·

      Ich bin schon viele Jahre in Behandlung. Ich lebe seit über dreißig Jahren mit Depressionen

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      1. Nina Jaros
        ·

        Und während Medikamente durchaus eine Verbesserung des Zustandes bewirken, hat Therapie bei mir noch nie gegen Depressionen geholfen… Das liegt einerseits an den körperlichen Ursachen meiner Depression (Hirnstoffwechsel) aber auch daran, dass ein Teil meiner Depressionen durch anhaltende Belastung entsteht (Belastung, die leider nicht durch Therapie verschwinden wird)

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  8. Suomitany
    ·

    Vielen Dank für deine Worte. Alles Liebe für dich. Tanja

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