Wartezimmer

Ich sitze im Wartezimmer meiner Psychiaterin. Allein. Normalerweise ist hier immer was los, die Ruhe irritiert mich ein wenig.

Ich bin angespannt. Trotz Medikation wirft die Depression einen ordentlichen Schatten auf meine Psyche. Müdigkeit ist Dauerzustand. Mein Antrieb hält immer nur für wenige Sekunden. Ich will nicht unter Menschen und fühle mich, wenn ich rausgehen muss, sehr unsicher. Meine Angststörung sitzt mir im Nacken und wartet auf die Gelegenheit, wieder ans Ruder zu kommen.

Bei der Anmeldung ein Gespräch. Durch die Tür höre ich nur Murmeln. Die Stimme klingt matt, hohl, leer. Ich werde aufgerufen.

Meine Ärztin begrüßt mich und wir sprechen. Sie ist eine ältere Dame und wir kennen einander inzwischen sehr gut. Sie hört geduldig zu. Stellenweise finde ich keine Worte. Ich habe einen Kloß im Hals.

Irgendwann müsse es ja eigentlich wieder aufwärts gehen, meint sie. Ich erzähle ihr von der Belastung durch die noch immer nicht genehmigte Bartentfernung, die Belastung durch die Rückforderungen des jobcenter, die Belastung durch das nicht bezahlte Gehalt meines ehemaligen Arbeitgebers. Sie schweigt. Ich sage ihr, dass das nur ein Teil dessen ist, was mich bedrückt. Ich weine.

Wir reden lange. Länger als mein Termin eigentlich dauern würde. Wir verabschieden uns.

Ich gehe zurück ins Wartezimmer, hole meine Jacke. Bis zum nächsten Mal

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