Manche Tränen sind besonders bitter

Heute war ich mit den beiden kleinen einkaufen. Mitten im Supermarkt stehen die beiden plötzlich da und drehen die Köpfe zur Seite. Ich habe keine Ahnung, was sie in der kurzen Zeit, in der ich etwas aus dem Regal in den Wagen legte, gemacht haben können. Beide Kinder weinen.

Ich schaue sie an. Es ist die denkbar schlechteste Umgebung, um auf die beiden einzugehen. Es ist Samstag nachmittag und alle anderen Kunden im Supermarkt drängen sich durch die Regalreihen. Trotzdem schaffe ich es, die beiden in den Arm zu nehmen und zu beruhigen. Es lässt mich nicht los.

Nach dem Einkauf versuche ich heraus zu finden, was los war. Kind3 will mir etwas sagen, aber sein kleiner Bruder zeigt ihm mit einem scharfen Blick, dass er das nicht gut findet. Kind3 atmet tief durch, tränen treten aus seinen Augen. Er erzählt mir etwas, das mir für mehr als einen Augenblick den Atem raubt: mein Jüngster hat ihm gesagt, er wolle aus dem Fenster springen.

Ziemlich genau zwei Jahre nachdem Kind3 mit depressiven Stimmungen kämpfte, hielt ich nun am Nachmittag meinen jüngsten Sohn im Arm und wir redeten ruhig. Ich fühlte mich hilflos und fand kaum Worte. Wie kann es sein, dass mein Kind, das immer so fröhlich Lego spielt und tanzt,… dass mein Kind aus dem Fenster springen will?

Wir lagen lange auf der Couch, redeten leise und ruhig. Ich erzählte ihm von meinen düsteren Gefühlen und dann auch er von seinen. Er weiß nun, dass er mit uns reden kann. Reden, auch wenn der Stress erdrückend wirkt, wenn die Belastung übermächtig wirkt, wenn das Leben ausweglos erscheint. Er weiß nun, dass er nicht alleine dasteht.

Nun liegt er im Bett und ich stand vorhin an seinem Bett. Ich hatte Tränen in den Augen. Ich habe Angst um mein Kind, habe Angst um meine Kinder.

 

PS: Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen. Am Montag werde ich die Kinderpsychologin anrufen.

6 Kommentare


  1. ·

    Ich mag hier nicht weg gehen, ohne wenigstens ein bißchen was zu sagen.
    Und liken ist nicht in Ordnung, hier so als Zeichen.

    Es tut mir sehr Leid; ich habe Mitgefühl mit dir und Euch.
    Meine Tochter hatte als sie klein war, auch immer wieder Abschiedsbriefe versteckt; ganz hinten in der Schublade mit den Socken; ganz dahinter.
    Und ich kenne dieses Gefühl der Ohnmacht, des Erschreckens und dieser Not, wenn man derart konfrontiert wird mit den Qualen (s)eines Kindes – und nicht wirklich weiß, wie man helfen kann oder soll.

    Ich wünsche deiner Familie von Herzen, dass der Kinderpsychologe ein Guter ist und euch unterstützen kann.
    Ich hatte so jemanden damals leider nicht gefunden, obwohl ich unaufhörlich suchte.
    Vielleicht ist unsere Welt zunehmend kein guter Ort mehr für Kinder. Manchmal denke ich, für niemanden.
    Dann wieder wünsche ich mir, endlich doch mal positiv(er) zu denken. Aber es ist schwer geworden.
    Alles Liebe Euch.
    Luise

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    1. Nina Jaros
      ·

      Danke. Wir haben hier eine sehr gute Psychologin, die uns auch schon kennt.

      Ob die Welt ein guter Ort ist… Schwer zu sagen. Meine Eltern würden in bzw. Kurz nach dem Weltkrieg geboren… Als ich Kind war, drohte der kalte Krieg…. Ich glaube, es ist nie leicht gewesen Kind zu sein. Ich hoffe einfach auf eine gute Zukunft

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  2. ·

    Liebe Nina,

    mein Like nur als Zeichen des „Kann ich mitfühlen“, weil ich nichts zu sagen weiß.

    Liebe Grüße und viel Kraft euch allen!

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  3. ·

    Es freut mich, dass eine gute Kinderpsychologin greifbar ist – das entspannt ein bisschen die kniffelige Lage. Uns geht’s da leider etwas anders. Behinderte Menschen, die kognitiv eingeschränkt sind, wie meine, finden einfach keine psychologische Unterstützung. Deswegen ist es so wichtig, dass kleine Seelen gut betreut werden – es kommen noch so viele Nackenschläge, die sie wegstecken müssen.

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    1. Nina Jaros
      ·

      Inklusion ist ein Thema für sich. Kaum ein Arzt/Therapeut ist darauf eingestellt

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