Ina Steg im Interview – (Ninas erstes Interview im Blog und Werbung für eine wirklich tolle Autorin!)

Heute möchte ich auf meinem Blog eine Frau vorstellen. Ina Steg ist Schriftstellerin und in meiner Twitter Timeline ein Lichtpunkt. Sie versteht es mit Sprache zu spielen und ich bin sehr glücklich, dass sie sich bereit erklärt hat, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Würde ich dich beschreiben, dann mit diesem Satz: „Sie schafft es in wenigen Worten Sehnsucht nach dem Meer zu wecken und mich im Herz dorthin zu bringen.“ Welche Beschreibung würdest Du für Dich wählen?

Vielen Dank für dieses schöne Kompliment. Ich freue mich sehr darüber, dass wir beide uns austauschen.

Ich denke, sehr viele Menschen versuchen etwas einzufangen, festzuhalten und weiterzugeben. Maler nutzen dafür Farben, Musiker Klänge und als Autorin bedient man sich der Worte. Ich wünsche mir, mit meinen Beschreibungen von besonderen Momenten oder Gefühlen, die Phantasie des Lesers anzuregen oder vielleicht Erinnerungen zu wecken. Dafür nutze ich gerne Details, denn sie hauchen einem Satz Leben ein. Man kann das Meer als Meer benennen, oder seine wilde Gischt, das tiefe Blau und den salzigen Geruch beschreiben. Ich betrachte einen Satz gerne wie eine leere Wohnung. Erst sehen alle Zimmer gleich aus, doch dann kommen Möbel hinein und auf die Möbel kommt Dekoration und für andere wird es immer interessanter, diese Zimmer zu betrachten.

Wir leben in einer Zeit, in der gerne mal gesagt wird, es habe ja schon alles gegeben. Niemand sollte sich von dieser Meinung abhalten lassen, etwas zu kreieren. Jeder Mensch ist einzigartig und kann mit seiner ganz individuellen Art und dem Mut für neue Perspektiven und Kombinationen etwas erschaffen, was andere berührt oder inspiriert. Und ich möchte mich beim Schreiben dieser Herausforderung immer wieder gerne stellen.

Die Art, wie ein Text entsteht ist so unterschiedlich, wie die Texte, die entstehen. Wie sieht dein Schreibarbeitstag aus?

Diese verschiedenen Arten stelle ich bei anderen auch immer wieder fest. Bei mir kann ich stetige Veränderungen in der Vorgehensweise beobachten. Als ich mir vor ungefähr zehn Jahren in den Kopf gesetzt habe, mal eine lange Geschichte, einen Roman zu schreiben, habe ich Schreibratgeber gewälzt und Erfahrungen von anderen Schriftstellern gelesen, die auch einem regulären Job nachgehen, um für mich das richtige Rezept zu finden. Es sah so aus: regelmäßig stattfindende Schreibtermine, am besten immer ein ganzer Tag des Wochenendes und eineinhalb Stunden vor der Arbeit. Für ein Manuskript hat das auch gut funktioniert. Aber der eigene Alltag verändert sich stetig sowie die eigenen Bedürfnisse. Heute brauche ich mindestens acht Stunden Schlaf und vor der Arbeit ein geregeltes Frühstück und meine Ruhe. Zudem schaffe ich heute mehr, wenn ich mich konzentriert nur eine Stunde an den Text setze und dann etwas ganz anders mache, wie Haushalt, Einkaufen oder Kochen. Dann denke ich ganz automatisch über das Geschriebene nach und neue Ideen entstehen. Da ich wenig Sport mache, tut diese Vorgehensweise auch meinem Rücken und Nacken gut.

Was mir auch aufgefallen ist, dass ich viel Zeit in die Entwicklung der Figuren stecken sollte. Wenn ich sie gut kenne, werden sie geradezu lebendig, tauchen vor meinem inneren Auge auf und ich kann Unterhaltungen mit ihnen führen. Investiere ich zu wenig in sie, geben sie auch wenig zurück und das macht die Entwicklung einer Geschichte mühselig.

Ich bin schon gespannt, wie es in zehn Jahren mit mir und dem Schreiben aussieht, oft ist man ja von sich selbst überrascht.

Wie wichtig ist dir Feedback von deinen Leser*innen? Wer ist deine schärfste Kritiker*in?

Feedback ist mir sehr wichtig, denn es hilft mir zu verstehen, wann und wie es mir gelingt, wirklich das zu transportieren, was ich an Informationen und Gefühlen weitergeben möchte. Ich kann die Wirkung meiner eigenen Texte nicht immer gut einschätzen. Das liegt daran, weil man als Autorin das Geschriebene natürlich stets in einen Kontext setzen kann. Man kennt jede Figur, weiß um ihr Innenleben und hat jedes Detail des Settings vor Augen. Der Leser kennt nur das, was ich schaffe, verständlich zu vermitteln. Diese Erfahrung, dass die eigene Sicht sehr einschränkend sein kann, mache ich allerdings in allen Bereichen des Lebens. Ich denke, Feedback sollte im Alltag viel öfter einfließen und sei es nur mal durch ein Lob, einen Dank oder eine Einschätzung zu etwas. Woher soll man sonst wissen, ob man etwas gut macht, ob es anderen hilft oder ähnliches. Man hat ja immer nur eine Idee von seinen eigenen Handlungen und sein eigenes Bewertungsschema im Kopf, welche durch viele verschiedene Umstände gewachsen sind.

Ich selbst finde mich öfter mal ganz schön doof. Dann frage ich mich zum Beispiel, warum ich nicht so fröhlich wie gestern sein kann, warum das Schreiben nicht so fließt wie am letzten Schreibtag oder ähnliches. Aber es wird besser. Ich lerne auch diese Tage zu akzeptieren und trotzdem irgendwie etwas draus zu machen und ich meine erkannt zu haben, dass man sich zwar durch seine Gedanken und Einstellungen beeinflussen kann, aber eben noch viele andere Komponenten einen jeden Tag formen. Wenn mir das Ergebnis dann nicht gefällt, strecke ich meinem Spiegelbild die Zunge raus und gehe Kuchen kaufen. Das hilft ein wenig.

Kuchen ist ein prima Stichwort. Ich habe mal einen Vierzeiler über Kaffee geschrieben. Auf Twitter postest du immer wieder kleine Einblicke in deine Gedanken- und Sprachwelt. Welche Bedeutung hat das Internet, speziell soziale Netzwerke für dich?

Twitter finde ich sehr spannend und vielseitig. Ich bin neugierig darauf, wie Menschen ihren Alltag meistern und wie sie ihrer Leidenschaft nachgehen, außerdem blicke ich gerne hinter die Kulissen. Twitter gewährt mir Einblicke in die Lebenswelt von anderen, das inspiriert mich, macht mir Mut und ermahnt mich, dass meine Sicht der Dinge, nicht immer die richtige sein muss. Wie viele, spiele ich auf Twitter gerne mit Sprach- und Wortkreationen, dadurch denke ich um die Ecke und das hilft mir auch beim Schreiben längerer Texte. Außerdem konnte ich durch Twitter tolle Menschen kennenlernen, denen ich so wahrscheinlich nie begegnet wäre. In anderen sozialen Netzwerken bin ich kaum unterwegs, aus zeitlichen Gründen, ich liebe es Fotos zu betrachten, auf Instagram und Tumblr könnte ich mich verlieren.

Das Internet ist ein buntes Rechercheinstrument für mich. Wenn ich mich für eine Geschichte einem neuen Thema widme, starte ich im Netz und lese erstmal kreuz und quer, nach und nach picke ich mir einzelne Aspekte raus. Ich versuche dann, diese zu vertiefen, meist lande ich dabei in der Bibliothek. Ich kaufe mir dann aber auch gern Dokumentationen oder Fachbücher, so entsteht zuhause eine eigene kleine Bibliothek rund um die Themen, die mich interessieren. Momentan schreibe ich an einer Weihnachtsgeschichte und habe somit endlich einen vertretbaren Grund, mir all meine Lieblingsweihnachtsfilme zu kaufen.

Du sprichst ein wirklich wichtiges Thema an. Ich habe tatsächlich schon Bücher weggelegt, bei denen ein Thema schlecht recherchiert wurde. Hast du schon mal ein Buch abgebrochen, bevor du fertig warst? Und wenn ja was war der Grund?

Eine Geschichte entsteht bei mir immer auf ähnliche Weise. Es gibt entweder eine bestimmte Figur oder ein Thema, das ich verweben möchte. Ich recherchiere dann erstmal nicht, sondern notiere, was mir einfällt, was mir wichtig wäre, das sind Stichpunkte, einzelne Begriffe, dann folgen ein paar gesprochene Sätze der Figur und manchmal ganze Szenen. Nach dieser Phase weiß ich, ob ich weitermachen werde. Ich entwickle in dieser Zeit ein Gefühl für das Ganze und das muss ich mögen, es muss mich einnehmen und herausfordern. Wenn dieses Gefühl nicht passte oder es sich noch nicht vollständig anfühlte, habe ich Ideen nicht mehr weiterverfolgt. Das ist okay, denn vielleicht gehören sie nur gerade nicht in meine Lebensphase, vielleicht fehlt es mir noch an bestimmten Erfahrungen und irgendwann wende ich mich ihnen doch wieder zu.

Zum Beispiel zieht es mich nach Istanbul, obwohl ich noch nie dort war. Ich habe mir Bildbände geholt und über die Geschichte der Stadt recherchiert, etwas in mir fühlt sich damit verbunden und ich weiß nicht wieso, gleichzeitig spüre ich, dass ich dieser Stadt noch nicht gewachsen bin. Ich schaue selten meine alten Entwürfe-Ordner durch, wenn ein Thema oder eine Figur zu mir zurückkehren will, dann wird sie ihren Weg finden, durch Zeichen im Alltag. Schau, indem du mir diese Frage gestellt hast, habe ich an Istanbul gedacht, wer weiß, was in nächster Zeit noch passieren wird?

 

Sehr faszinierend, wie du über den Entwürfe Ordner sprichst. Das klingt nach einem liebevoll geführten Skizzenbuch. Du machst mich jetzt schon neugierig darauf, was aus Istanbul entstehen wird.

Danke liebe Ina, für Deine überaus persönlichen Antworten und die Einblicke in deine Schreibwelt.

Da man Werbung ja inzwischen überall kennzeichnen muss: der folgende Link ist Werbung für Inas Bücher: https://www.amazon.de/gp/entity/Ina-Steg/B0134EUWZQ  

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