Mein Kind sagte mir etwas wichtiges…

Kind3 liegt gerade auf der Couch und liest. Eigentlich ist heute ein Schultag, aber da es gestern kreidebleich nach Hause geschickt wurde, darf es sich mal erholen. Für mich ist es ungewohnt, vormittags andere Geräusche zu hören, als die der Meerschweinchen.

Kind3… Wir haben vier Kinder. Ein bunter Mix aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Wir versuchen, jedem Kind den Raum und die Möglichkeiten zu geben, die es für die eigene Entwicklung braucht. Und Kind3…

Wie sag ich das jetzt. Kind3 war immer schon in vielerlei Hinsicht besonders. Es richtete sich modisch nicht nach dem, was andere trugen, es stellte Fragen, wie kein anderes Kind. Es hinterfragte immer schon, was andere als gegeben annahmen.

Vor einiger Zeit hatten wir ein Gespräch. Kind3 bat uns, es nicht mehr Sohn zu nennen¹, sondern künftig nur noch Kind, es sagte uns, mit welchen Namen es lieber angesprochen werden will. Mein Kind ist kein Junge, mein Kind ist kein Mädchen, mein Kind ist nonbinary (=vereinfacht gesagt: es passt in keine der zwei klassischen Geschlechterschubladen).

Mal ehrlich… ich erlebe jeden Tag, wie es ist, nicht in die zugeschriebene Geschlechterordnung der Gesellschaft zu passen. Ich erlebe es auf der Straße und ich erlebe es online. Ich weiß, wie scheiße viele Menschen, Behörden, Ämter, Ärzt’innen usw… mit trans und nonbinary Personen umgehen. Es ist nicht, was ich mir für mein Kind wünschte. Aber nun ist es so und ich werde mein Kind (alle meine 4 Kinder) mit allen Möglichkeiten unterstützen.

Was bedeutet das nun in der Praxis?

Naja… Kind3 hat einen neuen Vornamen und auf Formularen kreuzen wir nicht mehr „männlich“ an. Und… alles andere wird sich zeigen.


¹) Diese Formulierung hat unser Kind bewusst gewählt. Da wir es online immer Kind nennen, wollte es klarstellen, was nun anders ist.

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