Albtraum Psychiatrie

CN Psychiatrie, Suizid, Ableismus, misgendering, transfeindliche Kommunikation

Vor zwei Wochen habe ich mich für den Weg in die Klinik entschieden. Die ersten Tage war ich auf eigenen Wunsch im Überwachungszimmer untergebracht. In den wenigen klaren Momenten meiner Krise konnte ich mich für Hilfe entscheiden. Trotzdem habe ich selbst in der geschlossenen Station zweimal versucht, mir das Leben zu nehmen.

Dennoch wurde ich kurz darauf in eine offene Station verlegt. Aufgabe der Station: stabilisieren.

Ich wurde als Herr Jaros begrüßt. Misgendering (für mich oft Auslöser von dysphrorie und Trigger) passierte mir bis zum Verlassen der Klinik jeden Tag. Nein, nicht durch Patient’innen, sondern durch Pflegekräfte, Therapeut’innen, Psycholog’innen und Ärzt’innen.

Mir wurde im ersten Gespräch mit meiner zuständigen Therapeut’in untersagt über Sex, meine sexuelle Orientierung und Transsexualismus (!) zu sprechen. Als ich mit einer Patientin sprach, dass meine Mutter mit meinem trans sein nicht zurecht kommt, wurde dieser Regelverstoß sofort bemerkt und untersagt… Und statt einem konstruktivem Einzelgespräch (einmal pro Woche) wurde die Zeit verschwendet, um darüber zu sprechen.

Das Personal verwendete in der Kommunikation ständig ableistische Sprache. Die Chefpsychologin bezeichnete meinen Therapieplan als schw*chsinnig.

Die Klinik war im Endeffekt mehr Belastung als Hilfe und so habe ich die Behandlung abgebrochen. Ja, das ist nicht gut, aber besser als dort zu bleiben. Ach ja… Im vorläufigen Arztbrief steht, eine gänzlich falsche Diagnose – was mich nicht wundert, da kein’e Psycholog’in sich mal mit mir beschäftigt hat.

Ich bin jetzt zuhause. Zunehmend stabil. Aber gut ist die Situation nicht… Ich suche eine Therapieperson, die sich auch mit mir und meiner Erkrankung auseinandersetzen kann.

11 Kommentare


  1. ·

    Oh weh. 🙁 das tut mir leid zu lesen. Ich drücke dir die Daumen für’s Finden einer_s transfreundliche_n Therapeut_in. Vllt gibt es ja im Netz oder einem Transnetzwerk vor Ort Empfehlungen?

    1. Nina Jaros
      ·

      Dort wird hauptsächlich über Therapeuten für die Indikation diskutiert und über Gutachter. Über Therapeuten zur Behandlung von Traumata, findet man dort fast nichts


      1. ·

        Ja aber stell dort doch mal die Frage, es gibt doch viele Transpersonen die wegen Depression und Suizidalität irgendwann auch jenseits/nach oder vor der Begleittherapie in Psychotherapie sind/waren. Manche haben da sicher Erfahrungswerte.

        1. Nina Jaros
          ·

          Sollte man meinen. Leider sind die Probleme der Menschen, die trans sind, so unterschiedlich, dass solche Diskussionen praktisch nicht geführt werden.


          1. ·

            Das ist schade. Aber kann ich mir gut vorstellen. Ich war jahrelang in Transkreisen unterwegs. In Bremen gibt es aber durchaus im Transcafé und Transrecht e.V. Verein Möglichkeiten über sowas zu sprechen und sich auch politisch aktiv zu werden. Es kommt immer auf die Organisation und die Leute an, wie offen die sind.

          2. Nina Jaros
            ·

            Mein Stammtisch in Bielefeld wurde mir gesagt, wie ich die Augenbrauen zupfen MUSS


          3. ·

            Hahaha… oh man sorry wie absurd!

          4. Nina Jaros
            ·

            Die Erfahrung war einzigartig


  2. ·

    Alternativ vielleicht bei Krankenkasse oder direkt bei Therapeut_innen am Telefon die Transfreundlichkeit erfragen, weil sie für dich essenziell wichtig ist.

    1. Nina Jaros
      ·

      Die Krankenkasse wusste nicht mal welche’r Therapeut’in eine Indikation ausstellen kann und nicht einmal, welche Ärzt’in eine GaOP durchführen kann


      1. ·

        Ja weil es sehr wenige Spezialist_innen gibt. Trotzdem immer wieder Thema verbalisieren, damit das Thema präsent ist. Zur Not musst du selbst zur Pioneerin werden und was aufbauen an Netzwerk, Infos und Wissen.

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