Die Sache mit der Prostitution

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, bei dem ich bisher zumindest in der Öffentlichkeit meist schwieg: es geht um Prostitution.Heute ist der 2. Juni, heute ist der Hurentag. Aus diesem Grund möchte ich über Sexwork sprechen.

Hallo, ich bin Nina, 47 und ich darf bundesweit als Prostituierte arbeiten.

Eine Freundin, der ich das erzählte stellte die richtigen Fragen: „Echt? Wie das?“ und etwas später: „Willst du das denn auch machen?“

Ja, ich bin amtlich gesehen eine Prostituierte. Ich habe den Schein, weil ich eine Freundin zu Gesundheitsamt und Ordnungsamt begleitet habe, weil sie sich das alleine nicht zugetraut hat. Ja, ich habe mich der Zwangsbelehrung ausgesetzt, in der ich über die richtige Nutzung von Kondomen und Gleitmitteln, Verhütung (sehr kurz) und dies und das informiert wurde. Die Mitarbeiterin war echt freundlich, aber gebracht hat mir die Belehrung nur ne handvoll gratis Kondomen und Gleitgelproben.

Im Ordnungsamt erfuhr ich wo bzw. wo ich nicht arbeiten darf. Und erhielt meinen Ausweis. Ein Papier, das ich bei mir trage. Ein Papier, das mich immer und überall als Hure outen kann. Sei es bei einem Unfall oder wenn ich mal meine Handtasche verliere und ein Person im Fundamt den Inhalt durchsucht oder, wenn ich beim Bezahlen meines Coffee-To-Go mal wieder mein Portmonee fallen lassen und der Lappen über die Theke segelt.

Ja, ich bin eine Hure. Und ehrlich gesagt hatte ich, als ich kürzlich beim Bundespräsidenten war, ein wenig Angst, dass der Ausweis gefunden würde. Immerhin wurde bei der Sicherheitskontrolle ein genauer Blick in meine Tasche geworfen… Ja, ich hatte den Ausweis beim Kaffee mit dem Bundespräsidenten mit.

Das Prostitutionsschutzgesetz sollte mehr Sicherheit für Sexworker’innen bringen. Davon kann ich nichts erkennen. Wir sind registriert und gezwungen Ausweise bei uns zu tragen. Wie müssen und einmal im Jahr Kondomkunde anhören. Schutz kann ich nicht erkennen. Ja, auf meinem Ausweis steht zwar nicht mein Name, aber für die Polizei muss ich trotzdem meinen Ausweis vorlegen…

Die letzte Frage meiner Freundin: „Willst du das denn auch machen?“ – Tja, ich habe da schon oft drüber nachgedacht. Ich bin eine sexuell sehr offene Person…. aber ob ich das machen werde, das ist nun meine Entscheidung und nur meine.

2 Kommentare


  1. ·

    Danke für diesen sehr wichtigen und richtigen Beitrag 🙂 Sicherheit, mein scheiß. Wenn es darum ginge, hätte beim Gesetzesentwurf mit den Betreffenden gesprochen werden müssen. Das wurde nicht getan, obwohl es viele Gesprächangebote gab. Es ging nie um Sicherheit, sondern um Kontrolle. Immer.

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