Eine Reise…

Mein Koffer am Bahnsteig



CN Suizidgedanken, Depression, Trennung, Abschied

Ich sitze im Zug. Fahrtziel: Berlin. Etwas ist anders als die letzten Jahre. Ich werde in einem Monat nach Berlin ziehen. Genau in einem Monat startet mein Umzug.

Ich schaue aus dem Fenster des Zuges. Ein wenig Wehmut steigt in mir auf. Vor zwölf Jahren fuhr ich in die andere Richtung. Fuhr zu der Frau, die jetzt die Mutter meiner Kinder ist…

Die Trennung tut noch immer weh. Es fällt mir schwer, zu gehen. Seit zwei Jahren schiebe ich den Gedanken nach Berlin zu gehen in mir hin und her. Seit zwei Jahren habe ich Heimweh nach Berlin. Seit zwei Jahren war mir klar, dass ich gehen werde, gehen muss.

Jetzt ist es soweit und ich weiß, dass es der einzig richtige Weg ist. Ich mag Ostwestfalen, aber ich brauche das Leben, den Rhythmus der Stadt. Hier zu bleiben ist keine Option.

In etwa einem Monat ziehe ich also nach Berlin… Weg von meinen Kindern, die ich bisher fast jeden Tag ihres Lebens um mich hatte. Ich weine. Den Blick zum Fenster gewandt. Bäume ziehen an mir vorbei. Es regnet. Trostlos grau.

Wie kann ich nur meine Kinder verlassen? Nun, ich weiß, dass sie bei meiner Frau alle Liebe bekommen und ich werde sie so oft wie möglich sehen… Aber seien wir ehrlich: seit meiner Erfahrung mit der Klinik letztes Jahr, seit ich bei akuten Suizidgedanken nicht mal mehr die Rettung rufen kann, aus Angst vor der Klinik, seitdem bin ich hier nicht mehr sicher…. Ich habe im letzten Jahr oft nur knapp geschafft, den Gedanken zu widerstehen… Da war ich drauf und dran, die Kinder wirklich im Stich zu lassen.

Ich bin nicht stolz, dass ich gehe. Vor zwei Jahren entstand der Plan, mit meiner Familie nach Berlin zu ziehen. Das Leben veränderte diese Familie. Ich sage bewusst nicht, dass sie zerbrach. Denn ehrlich gesagt, gehen wir trotz Trennung liebevoll miteinander um, nehmen uns Zeit, sind füreinander da, lieben uns.

Ich reise. Weinend. Traurig. Hoffnungsvoll. Neugierig. Zuversichtlich. Ambivalent.

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